Abschied von Henri und Calimero – wenn die Natur ihren eigenen Weg geht
WICHTIG!! Aktuelle Stellungnahme nach Kontakt zu Frau Oda Wieding vom LBV:
Meine Aktionen bzw. eben „Nicht-Aktionen“ sind genau Gesetzeskonform wie ich es bereits, und nicht nur in diesem Jahr, geschildert habe.
Alles richtig gemacht bzw. es läuft alles wie es Naturgesetztreu gemacht werden soll. Eine Aktion Seitens Unterer Naturschutzbehörde würde nicht erfolgen. Ich hatte und habe mir nichts zuschulde kommen lassen. Gegen das Wetter bin ich machtlos. Mehrfach wurde betont von mir, dass dieses Nest den ECHTEN Einblick in ein Nest bietet. Mit seinen schönen aber auch negativen Seiten. Und weitere Unterstellungen verbitte ich mir hiermit an dieser Stelle.
Leider hat unser kleiner Henri den anhaltenden Dauerregen und die kühle Witterung der letzten Tage nicht überstanden. Von unseren drei Jungstörchen mussten wir uns nun von einem verabschieden. Ein weiteres hat derzeit zu kämpfen (Calimero)
Auch wenn dieser Anblick schwerfällt und es für viele kaum auszuhalten ist: Henri ist Teil eines natürlichen Vorgangs geworden. Gerade anhaltende Nässe und Kälte gehören zu den größten Herausforderungen in der Aufzucht von Jungstörchen. Nicht jedes Küken schafft diesen Kampf.
Ich weiß, dass nun bei vielen sofort der Gedanke entsteht: „Warum holt man ihn nicht heraus? Warum hilft hier niemand? Woanders wird doch auch eingegriffen.“
Genau diese Fragen sind verständlich – aber die Antworten darauf sind nicht immer so einfach, wie es von außen wirkt.
Schon lange vor Beginn dieses Nestprojekts war mir bewusst, dass ich nicht nach meinem persönlichen Gefühl handeln darf, sondern mich an die geltenden Vorgaben und gesetzlichen Regelungen halten muss. Ein Nest ist kein Ort, an dem nach Belieben eingegriffen werden darf. Auch das Entfernen eines verstorbenen Jungvogels wäre ein Eingriff in das Brutgeschehen.
Die Altstörche handeln nach ihrem natürlichen Verhalten. Sie entscheiden, wie sie mit der Situation im Nest umgehen.
Immer wieder werden Vergleiche zu anderen Nestern gezogen, bei denen geholfen oder eingegriffen wurde. Hier muss man jedoch wissen: Die Möglichkeiten unterscheiden sich je nach Bundesland, behördlichen Vorgaben, vorhandenen Fachstellen oder speziellen Auffangstationen. Manche Stellen haben andere Voraussetzungen oder deutlich kürzere Wege für eine genehmigte Maßnahme. Es drohend mir auch weitreichende Folgen. Von den sehr hohen Strafkosten mal abgesehen.
Rechtlicher Hinweis:
Der Weißstorch und sein Brutplatz unterliegen dem gesetzlichen Schutz. Auch wenn der Wunsch zu helfen menschlich absolut nachvollziehbar ist, darf ein Eingriff am Nest nicht einfach nach eigenem Ermessen erfolgen. Grundlage hierfür ist unter anderem § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Eingriffe dürfen – wenn überhaupt – nur nach Prüfung und Abstimmung mit den zuständigen Fachstellen bzw. Behörden erfolgen.
Ein wetterbedingter Verlust eines Jungstorches ist ein natürlicher Vorgang und stellt nicht automatisch einen Notfall dar, der ein Eingreifen erlaubt.
Diese Voraussetzungen bestehen hier in dieser Form nicht – und das war mir von Anfang an bewusst.
Für mich persönlich war und ist eine Sache immer klar: Dieses Nest soll ein Ort der echten Naturbeobachtung sein. Dazu gehören wunderschöne Momente, aber leider auch die schweren. Ich werde nicht in natürliche Abläufe eingreifen, nur weil sie für uns Menschen schwer auszuhalten sind.
Es gibt einen Unterschied zwischen Naturgeschehen und einem akuten Notfall:
🌧️ Witterung, Regen, Kälte oder natürliche Verluste
→ gehören zum natürlichen Kreislauf.
🪢 Ein Storch mit einer Schnur um den Hals, eine schwere Verletzung oder eine unmittelbare Gefahr durch äußere Einwirkung
→ kann ein akuter Notfall sein, bei dem nach Rücksprache mit Behörden und zuständigen Fachstellen ein Eingreifen geprüft wird.
Auch solche Abläufe müssen jedoch vorbereitet und abgestimmt sein.
Zum Schluss möchte ich noch etwas Persönliches ansprechen:
Ich weiß, dass Emotionen bei solchen Bildern hochkommen. Das geht mir nicht anders. Aber aktuell erreichen mich Kommentare und Nachrichten, die weit über sachliche Kritik hinausgehen. Einige davon sind beleidigend, gehässig und sehr drohend an mich gerichtet – teilweise wurden hier über E-Mail-Adressen mit Bezug zu diesem Projekt oder E-Mail Adressen unter meinen Klarnamen eingerichtet.
Sachliche Fragen und unterschiedliche Meinungen dürfen immer ihren Platz haben. Persönliche Angriffe jedoch nicht.
Die Kommentare erscheinen weiterhin erst nach Freigabe. Bei massiven Grenzüberschreitungen behalte ich mir weitere Schritte vor, da entsprechende technische Daten dokumentiert werden.
Henri war nur kurz bei uns – aber er gehörte zu diesem Nest und zu dieser Geschichte.
Und genau wie die schönen Momente gehört leider auch dieser Abschied zur Beobachtung des Lebens unserer Störche.
Mach’s gut, kleiner Henri. 🤍