Chatthema Winterstörche

Chatthema Winterstörche

Tagebuch: Gedanken zum Winter – Warum bleiben Störche manchmal da?

In letzter Zeit höre ich öfter: „Es wäre doch schön, wenn unsere Jungstörche einfach bleiben würden – dann hätten wir länger etwas von ihnen!“ Ja, klingt niedlich … aber mal ehrlich: So richtig ernst gemeint ist das ja selten. Trotzdem hat mich das Thema tatsächlich beschäftigt, und ich dachte: Klar, ich fasse allen, die sich dafür interessieren, kurz und bündig die Fakten zusammen. Denn — ganz ehrlich — auch wenn es im Schnee wunderschön aussieht: Es ist eben nicht ihr instinktives Verhalten. (Am Ende das Video aus Prien vom 6.12.2024)

Störche sind eigentlich Zugvögel – seit Jahrhunderten ziehen sie im Herbst Richtung Süden nach Afrika. Doch heute bleiben immer mehr von ihnen in Deutschland über den Winter. Warum?

  • Klimawandel – mildere Winter: Die Temperaturen sinken seltener unter den Gefrierpunkt, Schnee und Eis halten sich kaum noch länger. Dadurch finden selbst im Winter noch Mäuse, Würmer und Fische – zumindest in vielen Regionen Naturschutzbund Deutschland e.V..
  • Nahrungsversorgung durch Menschen: Viele Störche nutzen ganzjährig zugängliche Nahrungsquellen wie Mülldeponien—vor allem in Spanien, Portugal und auch hierzulande. Dort finden sie Bioabfälle, Fleischreste usw. – und ersparen sich den weiten Zug
  • Energie sparen – mehr Überlebenschancen: Studien mit GPS-getrackten Jungstörchen zeigen, dass diejenigen, die auf Müllkippen überwintern, deutlich weniger Energie verbrauchen und daher höhere Überlebensraten haben als jene, die bis Afrika ziehen ScinexxT
  • Naturschutz und Bestandserholung: In Deutschland wächst der Weißstorchbestand – ein Teil des Erfolgs liegt im veränderten Zugverhalten: Viele bleiben näher oder gar im eigenen Land
  • Unnatürlich, aber pragmatisch: Was natürlicher Instinkt war, wird durch menschgemachte Veränderungen ergänzt – und die Störche passen sich an. Doch die Risiken bleiben: falsche Nahrung, Krankheit, Verletzungen – alles nicht ohne Folgen

Und weiter im Tagebuch…

Das Thema Klimawandel und die Verbindung zum Zugverhalten habe ich in diversen Magazinen und wissenschaftlicher Literatur nachgelesen. Alles haarklein aufzuschlüsseln würde hier den Rahmen sprengen – aber letztlich schließt sich der Kreis: All diese Probleme sind vom Menschen gemacht. Nicht die Tiere roden ihre eigene Welt. Wir sind es. Nicht die Tiere werfen leere Plastikverpackungen in Boden, Meer oder sonstwohin. Selbst die Krähen, die sich so am Müll bedienen, tun das nur, weil sie Zugang dazu haben. Wir sind es.

Und bevor jetzt wieder die Politik auf die Bühne geholt wird – die hat hier auf meiner Website keine Bühne. Ich fahre kein E-Auto, finde Pappstrohhame für Kinder in der Caprisonne doof, die angehefteten Deckel thematisier ich nicht weite 😉 Ihr wisst was ich meine. Ich muss mich ja nicht selbst auf die Straße kleben, um sinnvoll zu leben. Ich würde mich als jemand mit gesunden Einstellungen bezeichnen: Ich trenne Müll, bringe ihn zu den richtigen Stellen, kaufe Obst regional und klassisch ohne Plastik, kurzum ich achte seit längerem schon darauf, etwas umsichtiger zu sein. Exzentriker gibt es überall, aber gesunder Menschenverstand reicht völlig.

Deutschland ist auf einem guten Weg – wäre da nicht die extreme Verschwendung anderswo: Pfand wird missverstanden, geschälte Eier in Frischhaltefolie … Kekse einzeln in Folie? Da fehlt mir jegliche Logik.

Und siehe da: Der Storch wird bequem. In einem Nest hat man einmal Abends Bockwurst (!) serviert. Und nicht nur einmal – sie gewöhnen sich dran.

Man kann nur hoffen, dass sich die Zeiten ändern. Ich selbst werd’s vielleicht nicht mehr erleben. Aber wir können Weichen stellen – und andere dazu inspirieren. Irgendwann ist es zu spät.

Ich seh lieber Störche im Affenbrotbaum bei Sonnenuntergang als einen rotbeinigen Gesellen im weißen Schnee, der verzweifelt nach Nahrung sucht … und zur Müllkippe geht. Ich hoffe Pitti und Platsch sitzen da, eines Abends, im Affebrotbaum. Und träumen ein bisschen von Kolbermoor und seinen schönen Wiesen. Wachen morgens auf und vermissen die Hühner – nur ein bisschen. Und hoffentlich fliegen sie irgendwann dann wieder rüber. In die Wiesen, egal wo.

In diesem Sinne – kommt gut in die Woche morgen und lasst und abwarten, wie lange uns Kaira & Alex noch a bissl besuchen, bevor auch sie weg sind.


Cindy

Ein unvergesslicher Tag in Loburg

Ein unvergesslicher Tag in Loburg

📖 Tagebucheintrag: Ein unvergesslicher Tag in Loburg – Freiheit für Philip

Am 2. August 2025 war es endlich soweit – die erste große Auswilderungssaison in Loburg startete. Und dass ich dabei sein durfte, war für mich schon eine Ehre. Doch dann erreichte mich eine WhatsApp-Nachricht von der lieben Tina aus Brandenburg – und die hatte es in sich:
Meine beiden Kinder durften Philip auswildern.

Ein Moment, der sich nicht in Worte fassen lässt. Tina wollte sich damit bei mir bedanken – für meine Unterstützung im letzten Jahr, als ich ihre Sophia spontan übergeben hatte, da ich selbst nicht vor Ort sein konnte.

Dass meine Tochter nun Philip in die Freiheit begleiten durfte, war etwas ganz Besonderes. Ihr Blick sagte mehr als tausend Worte – Stolz, Freude, vielleicht auch ein kleines bisschen Ehrfurcht. Gemeinsam mit ihrem Bruder schenkte sie Philip die Freiheit.

Doch das war längst nicht alles, was diesen Tag so unvergesslich machte:
Auch die beiden Störche Mika und Chocolate erhielten an diesem Tag einen Sender und können seither live verfolgt werden – über die Animal Tracker App oder direkt auf der Website des Storchenhofs Loburg.
👉 Hier geht’s zur Übersicht der Senderstörche 2025

Insgesamt wurden neun Störche ausgewildert, der Hof war voller Leben, Lachen und gespannter Erwartung. Ich empfinde es jedes Mal als große Ehre, Dr. Christoph Kaatz die Hand zu schütteln – ein Mensch, der für mich wie ein lebendiges Stück Storchen- und Naturschutzgeschichte ist.

Am Auswilderungsort durfte Philip in meinem grünen Storchenmobil Platz nehmen – schon das war symbolisch ein bewegender Moment. Und dann… trug Sophia ihn stolz an seinen Platz, wo er unter Anleitung sanft aus seinem Transportbeutel befreit wurde.
Ein stiller Moment. Kein lauter Jubel, kein Applaus – nur staunendes Zuschauen. Philip schaute sich kurz um – und marschierte los, ganz gemächlich, direkt hinein in seine neue Freiheit.

Am Abend kam dann noch ein Video bei Lars (Fohrde) an: Mehrere Störche standen gemeinsam auf einem Feld – auch unsere frisch Ausgewilderten waren dabei. Später, bei der Routinekontrolle, waren alle unterwegs. Mission geglückt.

Eigentlich wollte ich euch hier das Interview präsentieren, das ich mit einem der Beteiligten geführt hatte – eure Fragen hatte ich vorbereitet. Doch wie das Leben manchmal spielt… kam es anders.

📱 Ein Handy-Schicksal in Berlin

Nur einen Tag später fuhren wir weiter nach Berlin – mit dem Zug. Und dort passierte es: Mein Handy verklemmte sich dermaßen in einem dieser fiesen Klappsitze, dass das komplette Display zerstört wurde. Kein Touch, kein Bild – nichts ging mehr.
Die Cloud rettete immerhin meine Fotos und Videos – aber leider nicht die Sprachnotiz des Interviews. Und alle Versuche, das Handy mit einem OTG-Kabel bei Lars an den Laptop zu spiegeln, schlugen fehl. Ich habe es wirklich bis zur letzten Minute vor dem Geräteaustausch versucht.

Aber: Die Interviewfragen habe ich noch, und ich werde sie weitergeben – der Beitrag kommt also verspätet, aber er kommt. Versprochen.
Es tut mir wirklich leid – manchmal sind Technik und Timing einfach keine Freunde.

🕊️ Dankbarkeit & Herzensmomente

Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal von ganzem Herzen Petra danken, die nicht nur Netzwerk Weißstorch am Leben hält und auf dem neuesten Stand hält – sondern die mich bei meinem Besuch so herzlich überrascht hat.

Ich bekam einen Orden in Form einer Storchen-Anstecknadel, wunderschöne kleine Präsente – und ein filigranes, ausbalanciertes Gleichgewichts-Ornament, das mich tief berührt hat (Fotos folgen, sobald ich mein Auto ausgeräumt habe, versprochen 😅).

Manche Menschen trifft man – und hat das Gefühl, man kennt sich schon ewig. Genau so war es mit Petra.
Danke, du wundervoller Herzensmensch. Ich hoffe sehr, wir sehen uns ganz bald wieder.

📸 Ein letzter Blick: Bilder, Tiere, Team

Zum Abschluss erwartet euch noch eine große Bildergalerie aus Loburg. Auch Mori, der wunderschöne Schwarzstorch, war dabei – auch wenn er es konsequent ablehnte, direkt in die Kamera zu schauen. 😄

Der Storchenhof Loburg ist mehr als nur ein Ort für Störche. Hier finden auch Tauben, Turmfalken, Hühner und viele andere Vögel eine zweite Chance.
Und Kevin, der Tierpfleger, war wie immer mit Herzblut dabei. Er ist – Zitat aus dem Livestream – „eine Perle auf dem Hof“.
Leider ist seine Finanzierung unsicher. Wenn ihr helfen wollt, schaut auf der Betterplace-Spendenseite vorbei und unterstützt diesen wertvollen Ort:

🌿 Jetzt spenden für Loburg & seine Mitarbeiter


Mein Fazit?
Jeder Mensch sollte mindestens einmal in seinem Leben in Loburg gewesen sein.
Denn es gibt Orte, an denen man nicht nur Tiere rettet – sondern auch Herzen berührt.

Eure
Cindy

Auswilderung und Besenderung in Loburg LIVE

Auswilderung und Besenderung in Loburg LIVE

🎉 Highlight in Loburg! 🎉

Am 2. August: Meine allererste Besenderung sehen in echt – und ihr könnt dabei sein!

Storch „Tim“ ziert das Bild.

Manchmal spielt das Leben einfach Regie – und diesmal hat es einen echten Volltreffer gelandet! 😍 Heute habe ich erfahren, dass genau an dem Tag, an dem ich Loburg besuchen werde – dem 2. Augusteine Besenderung und Auswilderung stattfinden wird! Und ich kann es wirklich kaum in Worte fassen, wie viel Glück ich damit habe.

📡 Besenderung – das bedeutet, einem jungen oder Altstorch (durch Auffangstation in Pflege z.B.) Weißstorch einen GPS-Sender anzulegen, um seine Reise in die Welt wissenschaftlich begleiten zu können. Für mich ist das nicht nur ein ornithologisches Highlight – es ist ein echtes Herzensereignis! 🕊️💗

Doch damit nicht genug:
🦢 Lars, mein lieber Storchenfreund und Kollege vom Storchennest Fohrde, wird live vor Ort sein – und zwar mit Kamera, Mikro und ganz viel Herz! Um 10 Uhr morgens startet sein YouTube-Livestream, bei dem ihr alle live dabei sein könnt, wenn „sein“ Otto erneut vor seine Linse tritt. Gänsehaut garantiert!

📹 Vielleicht sieht man auch mich kurz im Bild – wer weiß? Vielleicht darf auch ich euch kurz mal grüßen. Auf jedenfall werde auch ich für euch Material zusammenstellen, sobald ich dann wieder Zuhause bin.

Und ich freue mich wie verrückt, so viele liebe bekannte Gesichter aus der Storchenwelt wiederzusehen! Diese Gemeinschaft ist einfach etwas ganz Besonderes – und ich bin stolz, ein Teil davon zu sein.

💬 Ich kann kaum beschreiben, wie erfüllt, aufgeregt und dankbar ich bin, meine erste Besenderung live miterleben zu dürfen. Die Spannung, das Wissen, das Lernen – all das an einem einzigen Tag in einem Ort, der für so viele Störche Hoffnung bedeutet.
Nur noch 3x schlafen 😀


🔔 Also:

📆 2. August, 10:00 Uhr
📺 YouTube-Livestream von Lars / Fohrde
📲 Speichert euch den Link, aktiviert die Glocke, teilt den Stream!

Ich verspreche euch: Keine Minute wird vergeudet sein. Es wird spannend, emotional und lehrreich – ein echtes Storchen-Highlight!

💛 Ein riesiges Dankeschön an alle Beteiligten, an das Team in Loburg und natürlich an Lars, der mit seinem fantastischen Equipment und Engagement für diese Übertragung sorgt.

Wir sehen uns – online oder vielleicht sogar im Bild! 😉

Einsatz für Xaverl aus Roßhart

Einsatz für Xaverl aus Roßhart

Tagebucheintrag vom 26. Juli – Einsatz für Xaverl

Heute möchte ich euch von einem ganz besonderen Einsatz berichten: dem Transport eines jungen Weißstorches, den ich liebevoll Xaverl getauft habe, von der Wildvogelhilfe Roßhart e.V. in den Tiergarten Nürnberg.

Xaverls Geschichte begann vor etwa drei Wochen, als er als regelrechter Bruchpilot aufgenommen wurde – vermutlich zu früh vom Nest, mit einem hängenden Flügel. Es bestand der Verdacht auf eine Fraktur. Zum Glück bestätigte sich dieser nicht, und der junge Storch durfte sich in Obhut erholen.

Was in dieser Zeit folgte, war eine wirklich bemerkenswerte Zusammenarbeit über viele Ecken hinweg – unter anderem mit der Storchenstation Loburg, die mich aus der Ferne in Fragen der Pflege, Auswilderung und Einschätzung tatkräftig unterstützte. Ich möchte hier betonen, wie beeindruckt ich von der schnellen, unkomplizierten und engagierten Kommunikation war – das war echte gelebte Zusammenarbeit im Sinne des Tieres.

Nach der Stabilisierung versuchte man, Xaverl wieder auszuwildern. Doch beim ersten Versuch wollte es noch nicht recht klappen: Er war noch zu wackelig auf den Beinen und kam nicht richtig in die Höhe. Am Tag darauf der nächste Versuch – diesmal flog er ein Stück weit und ließ sich dann auch nicht mehr einfangen. Vielleicht wollte er, vielleicht auch nicht.

Am Abend kontrollierten sie die Felder, wie man es auch in Loburg bei Auswilderungskandidaten macht – doch Xaverl blieb verschwunden. Ein paar Tage später bekam ich dann ein Bild mit dem Satz: „Rate, wer wieder da ist.“ Xaverl war zurück – und etwas leichter als zuvor. Nun hieß es: neue Überlegungen, wie es weitergehen sollte.

Flauschdecke damit der Hals nicht scheuert

Zwischenzeitlich wurde ich offiziell als Weißstorchbetreuerin aufgenommen und stand erneut in Kontakt mit Frau Wieding vom LBV und mit Loburg. Ursprünglich sollte es für Xaverl nach Loburg gehen, doch die lange Fahrtstrecke von rund 6 Stunden brachte mich zum Nachdenken – im Sinne des Tieres.

So trat der Tiergarten Nürnberg auf den Plan – nur etwa 2,5 Stunden entfernt. Eine deutlich kürzere Strecke, weniger Stress für den Storch, der liegend transportiert werden musste, wie es bei Schreitvögeln nicht unbedingt üblich ist für so lange Strecken. Früh morgens fuhr ich also los – mit einer vorbereiteten Transportbox und natürlich einer Kopfsocke, wie ich es aus Loburg kenne. Diese wird dem Storch übergezogen, damit er nichts sieht, sich beruhigt und Stress reduziert wird – natürlich atmungsaktiv und tierschutzgerecht.

Xaverl war nicht sonderlich begeistert, meckerte ein wenig, ließ sich dann aber in die Box setzen. Kurz vor Abfahrt der Fahrt konnte ich die Socke sogar entfernen – er war ruhig, lag entspannt, und bei einer kleinen Pause zur Kontrolle war alles bestens. Dann – natürlich – ein Stau. Ausgerechnet! Doch auch das überstanden wir, und gegen 10 Uhr trafen wir beim Tiergarten ein.

Dort wurde ich sehr herzlich empfangen. Ich erfuhr, dass Xaverl die Nummer 36 bekommt – und weil er so früh da war, durfte ich sogar beim Abnehmen einer Kotprobe helfen. Das war ein spannender Einblick in die Arbeit der Tierärztinnen und Pflegerinnen – die Quarantänestation war sauber, gut organisiert und modern ausgestattet. Ein besonderer Dank gilt dem Pfleger vor Ort – leider habe ich mir seinen Namen nicht gemerkt, aber seine Kompetenz und Freundlichkeit bleiben mir im Gedächtnis.

Ich übergab Xaverl ordnungsgemäß – mit Informationen zu seiner Herkunft, Gesundheitszustand und der Meldung an die untere Naturschutzbehörde Rosenheim, damit alles den Vorgaben der Betreuerstruktur entspricht.

Ankunft Tiergarten. Xaverl ist tatsächlich ein sehr entspannter Fahrgast gewesen.

Xaverl wird nun zunächst in Quarantäne bleiben und danach in die Freiflugvoliere für Auswilderungsstörche umziehen. Das große Ziel: sich einer Migration anzuschließen und in die Freiheit zu starten. Ich hoffe, dass ich vielleicht noch ein Bild und seine Ringnummer bekomme – dann werde ich euch natürlich auf dem Laufenden halten.

Nach der Übergabe ging es wieder zurück – durch dichten Urlaubsverkehr. Alles für den Storch. Und ja – ich liebe es. Es war mein erster richtiger Einsatz in dieser Rolle, und ich bin stolz darauf, dass ich helfen durfte.

Mein Dank gilt:

  • der Wildvogelhilfe Roßhart e.V. für das Vertrauen,
  • Loburg für die großartige Unterstützung aus der Ferne,
  • und dem Tiergarten Nürnberg für die Aufnahme und den herzlichen Einblick in ihre Arbeit.

PS: Der Tiergarten hat ein wunderschönes neues Gehege für Quarantäne-Störche – mit deutlich mehr Platz. Eine tolle Entwicklung!

Bis bald – ich halte euch auf dem Laufenden!

Zwischen Regenwurm und Gummiband – Wenn der Hunger der Störche zur tödlichen Gefahr wird

Zwischen Regenwurm und Gummiband – Wenn der Hunger der Störche zur tödlichen Gefahr wird

Der Weißstorch ist nicht nur ein Symbol für Fruchtbarkeit und Glück, sondern auch ein faszinierender Vogel mit bemerkenswertem Verhalten. Besonders während der Brutzeit sind Störche wahre Meister der Nahrungssuche. Mit ihren langen Beinen durchstreifen sie feuchte Wiesen, Äcker, flache Gräben und – immer häufiger – menschliche Siedlungsbereiche auf der Suche nach Nahrung. Dabei stehen Würmer, Insekten, Amphibien, kleine Säuger und hin und wieder auch Aas auf dem Speiseplan.

Kaira am Komposthauffen. Ohne Scherben & Gummis

Doch in Zeiten zunehmender Umweltveränderungen und wachsender Siedlungsflächen müssen sich die Tiere anpassen. So zieht es viele Störche regelmäßig auf Kompostieranlagen, Grünmülldeponien oder sogar in private Gärten – Orte, an denen vermeintlich lohnensreiche Nahrung zu finden ist. Und genau hier beginnt das Problem.

🧅 Gummibänder und Scherben im Kompost

Zwischen Gemüseschalen und Rasenschnitt landen immer wieder unsichtbare Gefahren im Kompost: Keramikscherben, Plastiksplitter und – besonders fatal – Gummibänder. Diese sind oft kaum zu erkennen, haften aber zuverlässig an Frühlingszwiebeln, Radieschenbunden oder Spargelstangen. Werden sie mitsamt dem Biomüll entsorgt, landen sie über kurz oder lang im offenen Kompost – und damit im Sichtfeld der Störche.

Für das geschulte Storchenauge sehen diese dünnen, elastischen Ringe erschreckend ähnlich aus wie Regenwürmer. Die Vögel picken sie auf – entweder für sich selbst oder um sie an ihre Jungen zu verfüttern. Was gut gemeinte Resteverwertung in der Küche war, endet für viele Störche tödlich.

🐣 Die Zeit der Jungenaufzucht – ein Wettlauf mit der Natur

Sobald ein Storchenpaar ein Nest bezogen und Eier gelegt hat, beginnt die aufwändige Phase der Jungenaufzucht. Die Küken werden von beiden Eltern versorgt. Die Nahrungsmenge muss stimmen – denn die Küken wachsen rasant, legen täglich an Gewicht zu und brauchen viel Eiweiß und Flüssigkeit.

Doch wenn statt Regenwürmern und Heuschrecken plötzlich Gummibänder im Schnabel landen, bringt das fatale Konsequenzen: Die elastischen Ringe landen direkt im Kropf der Jungtiere – einem muskulösen Vormagen, der eigentlich als Speicher für Nahrung dient. Von dort aus gelangt das Material weiter in den Magen (Gizzard), wo normalerweise harte Bestandteile wie Käferpanzer zermahlen werden. Doch Gummi zersetzt sich nicht. Stattdessen verheddert sich das Material, bildet Knäuel, blockiert den Verdauungsweg – und führt zu einem dramatischen Teufelskreis. Gummi besteht aus chemischen Stoffen, die durch die aggressive Magensäure zwar angegriffen, aber nicht vollständig zersetzt werden. Dabei werden giftige Substanzen freigesetzt, die die Magenschleimhaut und die Magenwände stark schädigen. Selbst wenn eine Operation möglich wäre, ist der Magen oft bereits so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass sich das Tier davon nicht mehr erholen kann.

⚠️ Wenn Gummi das Leben erstickt

Ein Gummiband im Magen gaukelt dem Tier Sättigung vor. Das Küken frisst weniger – nimmt aber keine Nährstoffe auf. Optisch nimmt der Storch aber nicht auf den ersten Blick ab. Oft sehen Beobachter noch ein „gefülltes“ Jungtier im Nest liegen – ohne zu ahnen, dass sein Verdauungssystem längst versagt hat. Sie verhungern also mit vollem Magen. Ein schrecklicher Gedanke. Und unglaublich traurig für jedes einzelne Tier.

In besonders tragischen Fällen kommt es zu inneren Verletzungen, Infektionen oder dem völligen Zusammenbruch der Verdauung. Tierärzte,aber auch am Storchenhof Loburg, berichten regelmäßig von Notfällen. Immer wieder werden junge Störche eingeliefert, die Gummiringe, Plastikreste oder Keramiksplitter verschluckt haben. Nicht selten bleibt nur das Einschläfern – ein letzter Akt des Mitleids, wenn alle medizinische Hilfe zu spät kommt.

📚 Zahlreiche Berichte – wenig Hoffnung bei Spätentdeckung

In Loburg, aber auch in anderen Pflege- und Beobachtungsstationen in Deutschland und Österreich, häufen sich die Fälle. Immer wieder werden Störche mit nicht verwertbarem Fremdmaterial gefunden – darunter Jungvögel, die innerhalb weniger Tage versterben. Nicht jede Station veröffentlicht offizielle Fallberichte, doch die Erfahrungsberichte aus dem Netzwerk der Storchenpflegestationen lassen keinen Zweifel: Das Problem ist real, flächendeckend und menschengemacht. Netzwerk Weissstorch hat einen sehr informativen, aber auch erschreckend realistischen Flyer erstellt um auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

Copyright: Netzwerk Weissstorch
Copyright: Netzwerk Weissstorch

Ihr wollt helfen? Mitmenschen sensibilisieren? Dann könnt ihr den Flyer hier runterladen:

🙋‍♀️ Was wir tun können – Jeder Schritt zählt

Die Lösung beginnt im Alltag. Jeder von uns kann dazu beitragen, das Risiko für die Störche zu senken:

  • Gummibänder entfernen: Vor dem Entsorgen von Frühlingszwiebeln, Radieschen oder Schnittlauch unbedingt die Gummibänder abnehmen und separat im Restmüll entsorgen.
  • Kein Plastik oder Keramik in den Kompost: Auch kleine Splitter oder Drahtklammern gehören nicht in die Biotonne.
  • Kinder sensibilisieren: In Kitas, Schulen und Familien kann über die Gefahren aufgeklärt werden – der Storch ist ein wunderbarer Botschafter für Umweltbildung.
  • Kompostplätze beobachten: In der Gemeinde, im Garten oder auf öffentlichen Grünflächen – offene Komposthaufen sollten regelmäßig kontrolliert und ggf. gesichert werden.
  • Meldung machen: Wer einen Storch mit auffälligem Verhalten beobachtet, sollte lokale Tierschutzstationen oder Wildvogelauffangstellen informieren.

💚 Fazit

Der Weißstorch ist ein anpassungsfähiger, aber verletzlicher Teil unseres Ökosystems. Gerade weil wir ihn so schätzen und bewundern, sollten wir auch Verantwortung für ihn übernehmen. Ein einzelnes Gummiband mag unscheinbar wirken – doch im falschen Moment kann es Leben kosten. Indem wir achtsam mit unserem Müll umgehen, können wir helfen, die nächste Storchen-Generation zu schützen. Und das ist ein kleiner, aber bedeutender Beitrag für den Naturschutz.

⚠️ Sensibler Inhalt – Klick zum Anzeigen
Sensibles Bild

Hier sieht man Gummiringe, die aus einem Storch entfernt wurden. Copyright: Storchenhof Loburg

Gummiringe im Mageninhalt. Copyright: Storchenhof Loburg
Scherben im Gewölle. Copyright: Storchenhof Loburg

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