Chatthema Winterstörche

Chatthema Winterstörche

Tagebuch: Gedanken zum Winter – Warum bleiben Störche manchmal da?

In letzter Zeit höre ich öfter: „Es wäre doch schön, wenn unsere Jungstörche einfach bleiben würden – dann hätten wir länger etwas von ihnen!“ Ja, klingt niedlich … aber mal ehrlich: So richtig ernst gemeint ist das ja selten. Trotzdem hat mich das Thema tatsächlich beschäftigt, und ich dachte: Klar, ich fasse allen, die sich dafür interessieren, kurz und bündig die Fakten zusammen. Denn — ganz ehrlich — auch wenn es im Schnee wunderschön aussieht: Es ist eben nicht ihr instinktives Verhalten. (Am Ende das Video aus Prien vom 6.12.2024)

Störche sind eigentlich Zugvögel – seit Jahrhunderten ziehen sie im Herbst Richtung Süden nach Afrika. Doch heute bleiben immer mehr von ihnen in Deutschland über den Winter. Warum?

  • Klimawandel – mildere Winter: Die Temperaturen sinken seltener unter den Gefrierpunkt, Schnee und Eis halten sich kaum noch länger. Dadurch finden selbst im Winter noch Mäuse, Würmer und Fische – zumindest in vielen Regionen Naturschutzbund Deutschland e.V..
  • Nahrungsversorgung durch Menschen: Viele Störche nutzen ganzjährig zugängliche Nahrungsquellen wie Mülldeponien—vor allem in Spanien, Portugal und auch hierzulande. Dort finden sie Bioabfälle, Fleischreste usw. – und ersparen sich den weiten Zug
  • Energie sparen – mehr Überlebenschancen: Studien mit GPS-getrackten Jungstörchen zeigen, dass diejenigen, die auf Müllkippen überwintern, deutlich weniger Energie verbrauchen und daher höhere Überlebensraten haben als jene, die bis Afrika ziehen ScinexxT
  • Naturschutz und Bestandserholung: In Deutschland wächst der Weißstorchbestand – ein Teil des Erfolgs liegt im veränderten Zugverhalten: Viele bleiben näher oder gar im eigenen Land
  • Unnatürlich, aber pragmatisch: Was natürlicher Instinkt war, wird durch menschgemachte Veränderungen ergänzt – und die Störche passen sich an. Doch die Risiken bleiben: falsche Nahrung, Krankheit, Verletzungen – alles nicht ohne Folgen

Und weiter im Tagebuch…

Das Thema Klimawandel und die Verbindung zum Zugverhalten habe ich in diversen Magazinen und wissenschaftlicher Literatur nachgelesen. Alles haarklein aufzuschlüsseln würde hier den Rahmen sprengen – aber letztlich schließt sich der Kreis: All diese Probleme sind vom Menschen gemacht. Nicht die Tiere roden ihre eigene Welt. Wir sind es. Nicht die Tiere werfen leere Plastikverpackungen in Boden, Meer oder sonstwohin. Selbst die Krähen, die sich so am Müll bedienen, tun das nur, weil sie Zugang dazu haben. Wir sind es.

Und bevor jetzt wieder die Politik auf die Bühne geholt wird – die hat hier auf meiner Website keine Bühne. Ich fahre kein E-Auto, finde Pappstrohhame für Kinder in der Caprisonne doof, die angehefteten Deckel thematisier ich nicht weite 😉 Ihr wisst was ich meine. Ich muss mich ja nicht selbst auf die Straße kleben, um sinnvoll zu leben. Ich würde mich als jemand mit gesunden Einstellungen bezeichnen: Ich trenne Müll, bringe ihn zu den richtigen Stellen, kaufe Obst regional und klassisch ohne Plastik, kurzum ich achte seit längerem schon darauf, etwas umsichtiger zu sein. Exzentriker gibt es überall, aber gesunder Menschenverstand reicht völlig.

Deutschland ist auf einem guten Weg – wäre da nicht die extreme Verschwendung anderswo: Pfand wird missverstanden, geschälte Eier in Frischhaltefolie … Kekse einzeln in Folie? Da fehlt mir jegliche Logik.

Und siehe da: Der Storch wird bequem. In einem Nest hat man einmal Abends Bockwurst (!) serviert. Und nicht nur einmal – sie gewöhnen sich dran.

Man kann nur hoffen, dass sich die Zeiten ändern. Ich selbst werd’s vielleicht nicht mehr erleben. Aber wir können Weichen stellen – und andere dazu inspirieren. Irgendwann ist es zu spät.

Ich seh lieber Störche im Affenbrotbaum bei Sonnenuntergang als einen rotbeinigen Gesellen im weißen Schnee, der verzweifelt nach Nahrung sucht … und zur Müllkippe geht. Ich hoffe Pitti und Platsch sitzen da, eines Abends, im Affebrotbaum. Und träumen ein bisschen von Kolbermoor und seinen schönen Wiesen. Wachen morgens auf und vermissen die Hühner – nur ein bisschen. Und hoffentlich fliegen sie irgendwann dann wieder rüber. In die Wiesen, egal wo.

In diesem Sinne – kommt gut in die Woche morgen und lasst und abwarten, wie lange uns Kaira & Alex noch a bissl besuchen, bevor auch sie weg sind.


Cindy

War es ein Abschied ?

War es ein Abschied ?

Noch einige Tage konnten wir Pitti und Platsch beobachten. Ihre Zeiten außerhalb des Nests wurden länger, ihre Erkundungen weiter. Einmal waren es sogar sechs Störche in den Wiesen. Sobald sie nicht mehr im Sichtradius sind, ist es durchaus möglich, dass sie sich weiter hinten einer größeren Gruppe angeschlossen haben. In Richtung Aising gibt es jedes Jahr Reisegruppen, aber auch in Willing und Aibling Richtung Bruckmühl bilden sich Sammelbecken für Jungstörche, denen die Thermik unter den Flügeln juckt.

Wir haben spekuliert, wir haben mitgefiebert. Manche würden die beiden am liebsten auch im Winter hier sehen. Ich finde – und fände – das nicht gut. Es entspricht nicht ihrem natürlichen Instinkt und Zugverhalten. Der Storch ist ein Zugvogel. Dass manche bleiben, ist, wie so oft, ein menschengemachtes Problem – ein Spiegel dafür, wie wir mit unserer Welt umgehen.

Letzte Momente ?

Eine große Drogeriekette hatte, oder hat vielleicht noch, diesen treffenden Spruch: „There is no Planet B“. Ich erinnere mich, wie mir damals die Tränen in die Augen stiegen. Denn ja – wir haben keine zweite Erde. Schuhe, Kleidung – geht etwas kaputt, kaufen wir neu. Aber was ist, wenn unsere Erde kaputt ist? Wir sind auf dem besten Weg dorthin. Vielleicht nicht heute, auch nicht in 100 oder 200 Jahren. Aber später?

Zurück aber zu den beiden jungen Wilden: Kaira und Alex wurden einige Tage nicht auf dem Nest gesehen. Ich bin mir jedoch sicher, dass sie noch unterwegs sind. Altstörche ziehen eigentlich nach den Jungen. Die Großen sind nun nicht mehr abhängig, sie schaffen alles allein und lernen, indem sie beobachten. Sorgen müssen wir uns also nicht mehr.

Und doch: Sahen wir sie heute, am 29.08.2025, gegen Mittag zum letzten Gruß? Viele Blicke der beiden in den Himmel – und dann, nacheinander, in kurzem Abstand, flogen sie ab.

Heute Nacht ist das Nest leer. Komisch. So fing alles im November an – ein leeres Nest. Bis zum März. Dann wieder leer. Und plötzlich ging alles Schlag auf Schlag.

Sollte dies der Abschied gewesen sein, wünsche ich den beiden eine gute Reise. Möget ihr gesund und voller Kraft unser Kolbermoor nach Afrika tragen. Und wer weiß – man sagt ja: „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“ Es wäre so schön, wieder von euch zu hören.

Erst hob Pitti ab.

Ich bin nicht der Mensch, der jeden Sonntag in die Kirche geht. Aber hier, angesichts des geschaffenen Lebens, bin ich unendlich dankbar – und ich wünsche euch stets Gottes Segen auf euren Wegen, wohin sie euch auch führen. Danke, dass ihr in diesem Nest geboren seid, dass ihr so vielen Widrigkeiten standgehalten habt. Und wenn ihr nach oben blickt – grüßt leise Mia & Hunter. Sie fliegen nur ein bisschen höher als ihr.

Platsch einen kleinen Moment später

P.S.: Es kann natürlich auch sein, dass sie wegen des Regens heute einfach nur auswärts nächtigen – und morgen ganz normal wieder vorbeischauen. 😛

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