Wenn der Beitragsservice das Storchennest zur „Betriebsstätte“ erklärt

Ein Erlebnis zwischen Bürokratie, Natur und absoluter Absurdität

Manchmal erlebt man Dinge, bei denen man sich fragt, ob man gerade in einer versteckten Kamera gelandet ist. So ging es mir, als ich ein Schreiben einer Firma erhielt, ich nenne jetzt mal bewusst keine Namen, erhielt. Und zwar geht es um die größte Deutsche Beitragsfirma.
Ich möge doch bitte Rundfunkbeiträge für meine „Betriebsstätte Storchenhorst“ zahlen. Schon der Briefkopf: „Storchennest Kolbermoor“ und dazu meine Privatanschrift.

Aufgrund vom Datenschutz & um keine rechtlichen Namen zu verwenden hab ich geschwärzt. Das glaubt ja sonst keiner dass das echt ist.

Ja, richtig gelesen. Also öffne ich den Brief, während ich noch überlege, ob ich jemals irgendwelche TV Mitschnitte mal in Videos gepackt habe, oder ein Radio lief, der mitgestreamt wurde. (völlig Banane)… Und wie ich da so saß, musste ich halt wirklich zweimal schauen. Die wollen doch wirklich Beitragszahlungen für meine BETRIEBSSTÄTTE. Folglich, weil ich ja im Verzug bin, gibt es auch keine Beitragsnummer, sondern erstmal direkt ein AKTENZEICHEN… (Im Brief wurde ja angemerkt ich solle die Beitragsnummer angeben. Welche denn? Ich wurde ja direkt als AKTENZEICHEN geführt. Wie eine Angeklagte fühlt sich das ja fast an.
Just in dem Moment wusste ich nicht ob ich lachen oder einen Papierflieger basteln soll.
Das kann nicht euer Ernst sein und beschliesse diesen „Service“ mit 3 Buchstaben anzurufen…


Der nächste Gedanke: Empfangt der Storch Antenne Bayern?

Also rief ich dort an.
Höflich. Ruhig. Noch.
Meinte – ich denke hier liegt glaube ich ein Missverständniss vor. Es handelt sich um einen Storchenhorst.

Die Antwort war trocken:
„Es geht nicht um Ihre Privatanschrift, sondern um Ihre Betriebsstätte.“


Betriebsstätte? Auf einem zehn Meter hohen Horst?

Also fragte ich nach.
Wieder höflich, diesmal leicht irritiert:

„Wo bitte ist ein Stahlmast auf einer Wiese, mit einem Storchennest obendrauf, eine BETRIEBSSTÄTTE? Das ist, wenn überhaupt, eine BRUTSTÄTTE.“ Temporär, versteht sich. So ein Vogerl fliegt bekanntlich etwa März ein und zieht im August/September wieder weg.

Daraufhin fragte man mich allen Ernstes, ob dort Gewerbe angemeldet sei.
Oder ob ich Angestellte hätte.

Ich musste sehr deutlich hörbar ausatmen.

KI-Generiert (Danke Janine)

Angestellte? Ich? Oder der Storch?

Ich stellte mir kurz vor, wie der Storch seine Arbeitszeit stempelt.
Wie er eine Pause einlegt, den Bundesadler grüßt und sich dann wieder auf die Eier setzt.

Ich bestätigte also, dass es sich tatsächlich — Überraschung — um ein Vogelnest handelt. Ohne Büro. Ohne Mitarbeiter. Ohne Umsatz. Nur Natur. In kurzen prägnanten Worten. Ein VO-GEL-NEST. Im Freien. Keine Hütte. Bekanntlich wohnt ein Storch nicht in einem Haus. Er schaut kein TV und auch hört er nicht Radio.


Das überraschende Ende

Daraufhin wurde mir schließlich mitgeteilt:

„Achso… ja. Dann schließen wir das Aktenzeichen mit diesem Vermerk.“


Fazit

Dieser Vorfall zeigt erneut, wie weit Bürokratie und Realität manchmal auseinandergehen.
Wenn ein Storchennest plötzlich als Betriebsstätte gilt, ist vielleicht weniger der Storch das Problem — sondern die Flügel, die die Vernunft mancher Akten über Jahrzehnte hinweg davongetragen haben. Ich habe auch lange überlegt, ob ich dazu nicht direkt ein Video mache. Aber diese Bühne gebe ich dem Verein nicht.
Ehrlich gesagt bin ich mir noch nicht mal sicher ob die Person am Telefon das ganze verstanden hat. Oder sie war absolut Professionell ohne jegliche Emotion.

So ein paar Stunden später kann ich einfach nur noch darüber lachen und dann gleich nochmal. Warum? Gerade am gestrigen Tag, hatten meine Hortkinder eine Hausaufgabe mit einer Umfrage zu Deutschland. Was typisch Deutsch ist und man beantwortere mit „Stimme zu, Stimme nicht zu“. Und abschließend sollten die Erwachsenen mit einem Wort Deutschland beschreiben. Meine Antwort (noch vor diesem Schreiben) war: Bürokatie.

Ich glaube damit beende ich dieses Thema und konnte euch den ein oder anderen Schmunzler für die Wartezeit auf die Störche entlocken.
Danke an Janine vom Storchennest Fohrde für das sauwitzige Bild zu den Störchen mit nem Kofferradio. (PS: Vielleicht hören sie ja auch Radio Schleswig Holstein)… Oder wie hier, sie schauen am TV Gerät einem anderen Nest zu 😉

KI Generiert

7 Gedanken zu „Wenn der Beitragsservice das Storchennest zur „Betriebsstätte“ erklärt

  • 19. Januar 2026 um 09:15 Uhr
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    Hallo Cindy das gehört in WISO😂 aber was Störche sind.. wissen sie hoffentlich und was ein Horst ist.

    Unglaublich aber wahr, unser Deutschland

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    • 19. Januar 2026 um 09:33 Uhr
      Permalink

      Ja, eigentlich schon. Bin ja gespannt. Das ganze ist ja nun sogar im Fokus & Nordkurier gelandet online. Absurdistan in ganz neuem Level.

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  • 19. Januar 2026 um 02:44 Uhr
    Permalink

    Hallo ich fahre ein Piaggio Dreirad, und das schon seit über 10 Jahren. Letzten Sommer kam dann plötzlich ein Bescheid ich möge den Radio in meinem „gewerblich“ genutzt Dreirad anmelden. Ich habe dann freundlich darauf hingewiesen dass das Dreirad ausschließlich für den privaten Gebrauch genutzt werde und ich nachweislich kein Gewerbe betreiben. Kurz darauf kam dann die neue Aufforderung da das Fahrzeug gewerblich genutzt werde. Daraufhin habe ich gefordert man solle mir die gewerbliche Nutzung nachweisen denn es ist weder am Fahrzeug Werbung noch am Wohnort hier in Ostermünchen eine Firmensitz gemeldet. Auch unter meinem Namen ist nichts gewerbliches zu finden

    Seitdem habe ich Ruhe
    Ich denke da fährt einer rum der sich dadurch PROVISIONEN von der ABC erhält je mehr er meldet.

    LG aus Ostermünchen

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  • 13. Januar 2026 um 18:45 Uhr
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    So typisch Deutsch, mehr geht garnicht. Übrigens: 5 Sekunden googeln hätte ausgereicht. Aber im Land der Akten und Faxgeräte geht das nicht. Eine Entschuldigung wäre angebracht gewesen, aber natürlich nicht zu erwarten. Traurig.

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  • 13. Januar 2026 um 14:36 Uhr
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    Bei uns in Hamburg Ochsenwerder mußten wir ein Storchennest abbauen , weil es keine Baugenhmigung hatte.Es war nach Meinung der Baubehörde deshalb ein Schwarzbau.Der Storchenmast war besetzt und die Störchin hatte Eier gelegt. Nachdem ein Storch verunglückt war, habe ich mit Hilfe der Feuerwehr dieEier aus dem Nest genommen und in Einen Brutschrank gelegt. Wir vom NABU und die Horstbesitzer sind gegen die Verfügung des sofortigen Abbau des Storchenmast ausgesprochen.Es ging bis vor das Verwaltungsgericht.Trotz eines 5000 € teuren Gutachtens , hat dieses den Storchenhorst nicht als Brutstätte anerkannt und den sofortigen Abbau verfügt. Es wurde in den Printmedien und dem Fernsehen darüber berichtet. Storchenbetreuer des NABU Hamburg Jürgen Pelch.

    Antworten
  • 13. Januar 2026 um 14:06 Uhr
    Permalink

    Wenn Ihr mich fragt:
    Die sind so naturverbunden, dass sie noch nie einen Storch gesehen haben, geschweige denn irgendwas über ihr Verhalten wissen 🥳

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  • 13. Januar 2026 um 09:24 Uhr
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    Was diese skurrile Geschichte aus Kolbermoor so köstlich macht, ist nicht nur der offensichtliche bürokratische Irrsinn. Es ist die präzise deutsche Art, wie dieser Irrsinn abläuft: ordnungsgemäß, aktenkundig und völlig realitätsentkoppelt.

    Hier trifft der deutsche Gründlichkeitswahn auf die Natur – und verliert kläglich. Ein Computer irgendwo hat wahrscheinlich „Stahlmast + Bezeichnung mit ‚-nest‘“ zu „= gewerbliche Funkanlage“ verrechnet. Das System funktionierte perfekt, nur der gesunde Menschenverstand war nicht mit eingeplant. Das Briefkuvert war korrekt frankiert, der Bescheid formal einwandfrei – adressiert an einen Vogel.

    Der eigentliche Witz ist die totenernste Beharrlichkeit, mit der die Absurdität vorgetragen wird. „Betriebsstätte“ – als ob der Storch seine Eier mit einer Betriebsanweisung ausbrütet und Überstunden mit dem Kranich abrechnet. Die Pointe, dass die Sache nach einem Telefonat einfach mit einem „Achso…“-Vermerk ad acta gelegt wird, ist der Gipfel. Ein ganzes Aktenzeichen wurde aufgebläht für etwas, das mit einem einzigen Blick aus dem Fenster hätte aufgeklärt werden können. Das ist nicht mehr Bürokratie, das ist Bürokratie-Satire in Echtzeit.

    Letztlich ist die Geschichte eine wunderbare Parabel auf unsere Zeit: Algorithmen und Automatismen entscheiden, während der Mensch – oder in diesem Fall der Storch – nur noch Staffage ist. Ein Trost bleibt: Solange wir über solche Geschichten lachen können, hat der Wahnsinn noch nicht ganz gesiegt. Vielleicht sollte der Beitragsservice lieber die Krähen untersuchen – die sind bekanntlich die wahren Meisterdiebe, nicht der Storch.

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