Zwischen Hoffnung, Hunger und ganz viel Kampfgeist

Zwischen Hoffnung, Hunger und ganz viel Kampfgeist

Tagebuch 16.05.2026 🐣🍀

Das erste Kolbermoorer Küken ist inzwischen knapp eine Woche alt. Unser kleines Quartett wächst und gedeiht: Skadi, dicht gefolgt von Calimero und Henri. Und dann kam da noch unser Nachzügler – mit vier Tagen Abstand schlüpfte schließlich auch Xaverl und vervollständigte die kleine Storchenbande.

Ich bin ganz klar Realistin. Wer regelmäßig in andere Nester blickt, weiß leider auch: Selbst wenn Küken bereits zwei oder sogar drei Wochen alt sind, kann es noch zu einer Selektion kommen. So hart die Natur manchmal auch ist. (Aktuell wie in Kirchzarten)

Aber soweit denke ich aktuell noch nicht. Warum? Weil sich im Moment einige Dinge beobachten lassen, die durchaus Hoffnung machen.

Xaverl wirkt – entgegen vieler Wetterprognosen – erstaunlich fit. Der Wettergott meinte es bislang deutlich besser als angekündigt, und auch das Futterangebot scheint gut zu sein. Der kleine Racker ist quietschfidel, agil, klappert schon fleißig mit und pickt begeistert nach den Schnäbeln der Altstörche. Genau dieses Verhalten dient übrigens dazu, bei den Eltern den Fütterreflex auszulösen.

Was man allerdings ebenfalls ganz klar sieht: Die Größen- und Kraftunterschiede werden jetzt bereits deutlich spürbar. Besonders morgens nach der Nacht, wenn der Hunger groß ist, kennen die drei Größeren kaum Rücksicht. Da wird gedrängelt, geschubst und gierig geschnappt. Und dabei ist es den Küken ziemlich egal, ob am Ende das Würmchen, ein Flügelchen oder mal ein Storchenfuß erwischt wird.

Trotzdem schafft es Xaverl immer wieder, an kleine Portionen zu kommen. Und manchmal hat er schlicht Glück – so wie heute Morgen, als er in perfekter „Pole Position“ lag, während die anderen noch halb im Wurmkoma schlummerten.

Das Gröbste ist sicherlich noch nicht überstanden. Aber Stand jetzt sehe ich seine Chancen tatsächlich gar nicht so schlecht. Wenn das Wetter weiterhin mitspielt, die Wärme nun wieder zurückkehrt und das Futterangebot stabil bleibt, könnte unser kleines Nesthäkchen sich durchaus tapfer durchs Leben kämpfen.

Drücken wir unserem Xaverl also weiterhin ganz fest die Daumen, dass er sich so wacker durchschlägt wie bisher. 🐥🤍

Eure Cindy

Der Countdown läuft…

Der Countdown läuft…

Der Countdown läuft ⏳🐣 – nur noch eine gute Woche bis zum 12. Mai. Dann sollte es bei uns endlich losgehen. Die Spannung steigt spürbar, auch wenn im Nest auf den ersten Blick noch alles ruhig wirkt.

Doch was passiert eigentlich schon jetzt, ohne dass wir es direkt sehen können?

Felix & Kaira werden in den kommenden Tagen immer häufiger aufstehen, die Eier vorsichtig wenden und unruhiger wirken. Das hat einen guten Grund: Im Inneren der Eier beginnt bereits das Leben hörbar zu werden. Zunächst sind es ganz feine Laute, die nur für die beiden Altvögel wahrnehmbar sind – ein leises Piepsen, das signalisiert: Wir sind bereit.
Sobald sich dann die Eischale mit einem ersten kleinen Loch oder feinen Riss öffnet, kommen auch wir in den Genuss. Ab diesem Moment wird es richtig spannend – dann kann man mit etwas Glück die ersten zarten Stimmen der Küken auch über die Kamera hören.
Anbei ein Bild aus dem befreundeten Nest in Fohrde ( Storchennest-Fohrde.de ) hier sieht man Otto beim belauschen der Eier.
Wer also schon früher das ganze sehen möchte, schaut dort mal vorbei, hier geht es gerade los.

Otto in Fohrde hört da schon was und lauscht.

Wie schon im letzten Jahr werde ich die Kamera per Zoom wieder direkt auf die Eier legen. Und ich freue mich jetzt schon auf unseren gemeinsamen Austausch im Chat – dieses typische
„Hier könnte doch was sein… oder dort?“ gehört einfach dazu und macht das Ganze jedes Mal aufs Neue besonders. Und auch mein Webmaster wurde schon gebeten, doch wieder den Countdown auf die Hauptseite zu legen. 😀

Ein kleines bisschen Geduld müssen wir also noch haben. Aber eines ist sicher: Wir sind auf der Zielgeraden der Brutzeit. Und dann ist es vorbei mit der Ruhe im Nest.

Tatsächlich hoffe ich noch auf ein wenig Regen, bevor es losgeht – damit wir diesmal nicht wieder mit klatschnassen Küken starten müssen.

Eure Cindy 🐦

Das vierte Ei und somit ein Quartett

Das vierte Ei und somit ein Quartett

Tagebuch – Ei Nr. 4 bei Kaira & Felix

Zuerst dachte ich: Hm, da kommt kein viertes Ei mehr. Kaira wirkte nach 21 Uhr noch völlig entspannt, döste auf einem Bein vor sich hin, während Felix treusorgend auf den Eiern saß. Alles sah nach einem ruhigen Abend aus.

Doch dann kam Bewegung in die Sache.

Kaira begann mit ihrem ganz typischen Ablauf: Sie stochert vor sich in der Schale, steht mehrmals auf und setzt sich wieder – meist drei- bis fünfmal. Kurz vor der eigentlichen Eiablage verliert sie immer eine kleine „Prise“, bevor sie sich hinlegt. Dann folgt dieses hektische „Wiggeln“ mit den Beinen – und genau in diesem Moment weiß man: Jetzt geht’s los.
Bei allen vier Eiern bisher exakt das gleiche Spiel.

Um 21:58 Uhr war es dann soweit – Ei Nummer 4 ist da. Und um 22:03 Uhr, etwas früher als sonst, durften wir schon den ersten Blick darauf erhaschen.

Für mich darf es jetzt gerne bei vier Eiern bleiben. Sollte übermorgen kein weiteres mehr kommen, beginnt nun die ruhigere Phase. Kein „Taka Taka“ mehr – sondern nur noch entspanntes „Brüti Brüti“.

Eure Cindy

Hier noch das Video der Eiabalage

Storchensitcom 2026 – Folge: Die Rückkehr der Kaira

Storchensitcom 2026 – Folge: Die Rückkehr der Kaira

Heute Morgen: Das Nest noch leer.
Dann kommt Felix zurück.

Die Ruhe währte nicht lange – schon flog ein Storch an. Felix reagierte zunächst nicht direkt abwehrend, doch kaum war der Fremdstorch gelandet, kickte er ihn wieder vom Nest. Ganz ließ ihn die Situation aber nicht los. Kurz darauf folgte er ihm hinüber.

Kaira landet kurz, Felix jagt ihr nach

Es dauerte nicht lange, und plötzlich kamen beide gemeinsam zurück.

Am Handy konnte ich es nur erahnen – ich war mir nicht sicher. Aber diese Fransen… das kann doch nicht…?

Kaira rechts

Erst zuhause, nach fast zwei Stunden Fotos durchgehen und Videos in Zeitlupe vergleichen, war ich mir sicher:
Sie ist es. Kaira. Sie ist zurück.

Kaira 2025
Kaira 2026

Tränen der Freude. Irgendwie habe ich mir diese Konstante so sehr gewünscht. Klar, die Kombination mit Alex wäre auch spannend gewesen – wie hat er sich wohl entwickelt?

Fakt ist: Beide haben den Zug geschafft.

Aktuell steht es jedoch Felix & Kaira – denn Felix gibt sein Revier nicht her.
Jetzt bleibt abzuwarten, ob Kaira bleibt.

Die Tretakte laufen noch nicht ganz sauber, aber ich vermute stark, dass sie heute erst zurückgekommen ist. Da braucht es einfach noch etwas Zeit zur Erholung.

Viele Indizien sprechen für sie:

  • Der direkte, selbstverständliche Anflug heute Morgen
  • Als beide gemeinsam kamen, landete sie zuerst

Was für eine Sitcom diese Saison 2026 bisher ist.

Um 18:35 Uhr flogen beide – ich zitiere den Chat – „wie im Märchen“ wieder gemeinsam ins Nest ein.
Ein sonniger Sonntag, Traumwetter, ein perfekter Moment.

Jetzt hoffe (und bete ich ein bisschen), dass die beiden sich festsetzen – bis die ersten Eier da sind. 😄


Blick nach Fohrde

In Fohrde, meinem befreundeten Nest, gab es gestern ebenfalls spannende Entwicklungen:
Die gepaarte Auswilderung von Otto & Jezebel, die den Winter in Loburg verbracht haben.

Lars hat das Ganze live übertragen.

Es dauerte nicht lange, bis Otto direkt den Horst ansteuerte – Jezebel folgte ihm nicht wesentlich viel Später.
Ein starkes Bild.

Ich bin sehr gespannt und wünsche mir sehr, dass auch Fohrde 2026 wieder eine erfolgreiche Brutsaison erlebt.

Hier geht’s zum Stream:

Der Storchenhof Loburg freut sich übrigens immer über Unterstützung –
sei es durch Spenden oder sogar eine Namenspatenschaft:
https://storchenhof-loburg.de/startseite.html

Besuch aus der Schweiz – aber ohne Bleiberecht

Besuch aus der Schweiz – aber ohne Bleiberecht

Tagebucheintrag – 19.03.2026

Gestern gab es Besuch von einem Schweizer Storch. Ganz unverblümt landete er direkt im Nest.
Felix kam hinzu, wurde jedoch vom Fremdstorch zunächst unsanft aus dem Nest gedrängt. Das ließ er sich nicht gefallen und ging sofort zum Gegenangriff über – ziemlich rabiat.

Ein Schweizer

Der Schweizer Storch (HES ST620*, zuletzt 2025 in Raisting abgelesen) gab schließlich auf und kehrte nicht mehr zurück.
Mara unterstützte Felix tatkräftig und beteiligte sich direkt am Abwehrgeklapper.

Ansonsten gab und gibt es mehrere Tretakte, die mittlerweile deutlich routinierter und harmonischer wirken.
Man darf also gespannt sein, ob und wann es zur Eiablage kommt.

Viele freuen sich aktuell schon über Eier in anderen Nestern. Persönlich bin ich jedoch ganz froh, dass es bei uns noch keine gibt. Früh gelegte Eier bedeuten oft auch einen schwierigeren Start für die Küken – vor allem wetterbedingt. Man wünscht es sich nie, aber die Beobachtungen der letzten Jahre zeigen, dass frühe Bruten häufiger stärkeren Wettereinflüssen ausgesetzt sind.

Der Frost mindert nicht die Baufreude

Theoretisch – und wirklich nur theoretisch – könnte es auch hier in den nächsten Tagen zur Eiablage kommen.
Für mein Gefühl dürfen sich die beiden damit aber gerne noch bis Ende März Zeit lassen. Aktuell haben wir bereits die zweite Frostnacht in Folge.

Frostige Flügel

Ansonsten gibt es nicht viel Neues zu berichten.

Kommt gut durch die restliche Woche.
Cindy

*Nach langer Bildbetrachtung kann ich sicher sagen, dass es HES ist. Die Ringnummer – da bin ich ziemlich sicher, aber sie ist nicht in Stein gemeißelt. So richtig erkennen kann man die Nummer nicht.

Do geht’s ja zua wie am Stachus

Do geht’s ja zua wie am Stachus

Tagebucheintrag – 14. März

Schon am Morgen kam Felix angeflogen – und damit begann ein regelrechter Storchenwirbel. Den ganzen Vormittag über wurde über dem Horst gekreist, gezankt und laut geklappert. Ständig landete jemand, wurde wieder vertrieben oder zog erneut seine Runden. Man hätte fast meinen können, unser Horst steht mitten am Stachus in München.

Die Ruhe vor dem Sturm. Felix ohne Partnerin.
Und schon geht’s los..
MEINS!

Um 10:45 Uhr schaute ich dann allerdings nicht schlecht:
ALEXANDER, unser Altstorch aus der Saison 2025, landete plötzlich im Nest.

Die Freude währte allerdings nicht lange, denn Felix vertrieb ihn sofort wieder. Kurz darauf waren plötzlich vier Störche gleichzeitig in der Luft – kreisend, landend, wieder startend und sich gegenseitig abwehrend. Ein regelrechtes Luftballett.

Um 11:16 wurde sich dann unten in der Wiese geprügelt.

Ob Mara darunter war, ließ sich in dem ganzen Trubel kaum noch sicher erkennen.

Der ganze Zirkus rund um das Nest endete schließlich damit, dass Felix sich eine neue Dame angelacht hat.

Erste Landung von „MaraZwo“

Interessant war dabei eine Szene: Felix und die Neue standen zunächst einige Minuten gemeinsam im Nest und wehrten andere Störche ab. Und plötzlich hackte er sie selbst vom Nest! Erst Stunden später wurde klar, dass es sich dabei wohl tatsächlich um die neue Störchin handeln musste. Kurz danach landete sie wieder und wurde dann scheinbar als „ganz passabel“ eingestuft. Wer weis das schon so genau.

Aktuell läuft sie im Chat noch unter dem „Hat sich so im Schreiben-Ergeben-Namen“ „Marazwo“, aber wir warten erstmal ab, ob sich dieser Name wirklich etabliert.

Ganz abgeschrieben ist das Kapitel Alexander allerdings sicher noch nicht. Er hatte im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Aufzucht und damit natürlich auch eine Bindung an dieses Nest.

Kaira ist bislang noch nicht zurückgekehrt. Sollte sie kommen, könnte es für sie schwierig werden, sich gegen ein bereits bestehendes Paar durchzusetzen.

Eine aufmerksame Zuschauerin bemerkte außerdem ein besonderes Detail an der neuen Störchin:
Am linken Fuß fehlen offenbar zwei Zehenglieder oder sie sind verkümmert. Wer weiß, was die schöne Störchin mit den besonders großen Augen schon alles erlebt hat. Eingeschränkt scheint sie dadurch jedenfalls nicht zu sein.

Vermutlich durch eine Entzündung oder Bindegarn. (Danke an Loburg für die Rückmeldung)

Am Nachmittag kehrte schließlich etwas Ruhe ein. Das Nest wurde nicht mehr verlassen und die beiden standen Spalier bis in die Nacht.

Die spannende Frage war nun: Bleiben sie – oder fliegen sie doch noch weiter?

Die 18-Uhr-Marke wurde geknackt und selbst der Infrarot-Umschalter wurde schon fast gefeiert.
Dann war klar: Die erste Horstübernachtung 2026 ist geschafft.

Klasse!

Knicki-Knacki klappte am 15.03. dann auch schon mal (Aber nicht immer)

Allerdings sind noch viele Störche auf dem Zug und treffen nach und nach ein. Diese Konstellation ist also möglicherweise noch nicht in Stein gemeißelt.
Kaira könnte noch erscheinen und Besitzrechte einfordern – vielleicht sogar gemeinsam mit Alexander. Aber auch ganz andere Störche könnten Interesse am Horst zeigen.

Ruhig wird es also vermutlich erstmal noch nicht.

Ich bin zwar kein großer Freund vom Drama am Nest – aber das Verhalten der Tiere beobachten zu dürfen ist ein echtes Privileg. Man lernt unglaublich viel über ihre Dynamik, wenn man genau hinsieht.

Nachtrag vom 15.03.:
Heute gab es bereits zwei erfolgreiche Tretakte. Auch wenn Felix sich dabei teilweise noch etwas ulkig anstellt – das wird schon.

Auf eine weitere spannende Storchenzeit!

PS:
Am Montag, 16.03., gibt es im Morgenprogramm von Radio Charivari Rosenheim ein Telefoninterview mit mir.
Der Sender kann auch online im Internet empfangen werden.

Der erste Storch 2026

Der erste Storch 2026

Tagebuch – 24. Februar 2026

15:21:59 – Einflugschneise rechts.
15:22:12 – Touchdown. Landung.

Und die ersten Füße sind im Nest

Der erste Storch 2026 ist auf dem bezugsfertigen Horst gelandet.
In Kolbermoor klappert es nun ganz offiziell wieder.

War es Alex? Kaira?
Alex kann ich ziemlich sicher ausschließen. Auch Kaira muss nicht zwingend in Frage kommen.

Hello – hier bin ich dann wohl 😀

Die Besucherzahlen im Stream schossen in die Höhe – und damit auch sofort die große Frage: Wer ist es denn nun?
Letztlich ist es mir persönlich aber vollkommen egal.
Ein Storch. Einfach ein Storch. Nach so langer Zeit wieder Leben im Nest zu sehen, statt in ein leeres Zuhause zu schauen.

Witzigerweise – wir verfolgen das Nest im Hort inzwischen immer über den Fernseher an der Wand – sagte ich ziemlich genau eine Stunde vorher noch:
„Bei dem Regenwetter landet heute eher kein Storch.“
Tja. Falsch gedacht.

Ziemliches Schietwetter

Die Freude ist riesig. Sogar einige Eltern lugten neugierig ums Eck, um den Besucher zu sehen.

16:51 – Wieder abgeflogen.
Kommst du zurück?
Bleibt er heute Nacht, hätten wir gute Chancen.
Sollten allerdings Alex und Kaira ebenfalls zurückkehren (sofern sie den Zug gut überstanden haben), könnte es zu kleinen Diskrepanzen kommen.

Es bleibt spannend.

Eure Cindy

Saisonstart 2026

Saisonstart 2026

Tagebucheintrag – Nestreinigung

Bevor ich überhaupt vom heutigen Einsatz erzähle, möchte ich zuerst Danke sagen.
Ein riesengroßes Dankeschön an Rainer und seinen Kollegen Christian vom Bauhof. Beide haben sich nach Dienstende, also in ihrer privaten Zeit, bereit erklärt, mit mir das Nest zu reinigen. Das ist wirklich nicht selbstverständlich. Ich bin ehrlich überwältigt, wie sehr mich die Stadt Kolbermoor dabei unterstützt. Vergelt’s Gott, wie ma bei uns so schön sagt – ihr seid einfach stark.
Und auch ein herzliches Danke an die Hofbesitzerin für ihre Zeit und ihre Hilfe. Die Mistgabel hat uns heute wortwörtlich gerettet – wer hätte gedacht, dass sie unser wichtigstes Werkzeug wird.

Bezugsfertig

Die Bedingungen? Naja … sagen wir so: „cool“ ist anders.
Der Himmel hatte offenbar Tag der offenen Tür und dachte sich: Wenn schon Regen, dann richtig.

Gegen 16:30 Uhr sind wir nach dem Aufbau der Hebebühne hochgefahren. Schon am Boden war klar, was uns erwartet: Zentimeterdicker Matsch und grobe Erde. Nach fünf Schritten fühlten sich die Schuhe an, als hätten sie jeweils fünf Kilo Zusatzgewicht.

Oben angekommen verschafften R. und ich uns erst einmal einen Überblick. Schnell entdeckten wir zwei weiße Keramikscherben und eine grüne Glasscherbe. Später, beim Harken, kam uns sogar noch ein Nylonseil entgegen. Alles wurde sorgfältig entfernt – sowas hat im Nest wirklich nichts verloren.

Die Überreste von Hunter konnten wir nicht mehr ausmachen. Hier hat Mutter Natur ihre Arbeit getan.
Das obere, festgedrückte Material war bereits stark kompostiert. Schicht für Schicht haben wir es abgetragen und waren dann recht zügig bei den Hackschnitzeln angekommen. Erfreulich: Es roch nicht muffig. Die Durchlässigkeit ist gegeben – das zeigte uns der Regen ganz praktisch, denn unten tropfte es schön zwischen den Holzabständen durch. Besser kann man’s kaum testen.

Zwischendrin mussten wir doch zur Mistgabel greifen, um vorne noch Material abzutragen. Fürs nächste Mal wissen wir: Bühne anders positionieren – man lernt nie aus.

Eigentlich wollten wir auch die Kamera reinigen, kamen aber nicht richtig ran. Da keine Trübung oder Spinnweben zu sehen waren, haben wir entschieden, es vorerst dabei zu belassen.

Zum Schluss möchte ich noch etwas loswerden – wegen der Glasscherben.
Zum Glück stammten sie nicht aus dem Gewölle. Das gefundene Gewölle war einwandfrei und ohne Fremdkörper. Die Scherben wurden sehr wahrscheinlich durchs gemähte Heu hochgezogen.

Aber trotzdem: Liebe Menschen, bitte nehmt euren Müll wieder mit. Ich sehe so oft Glasflaschen und Unrat an Straßenrändern. Das muss wirklich nicht sein. Beim Mähen entstehen Schäden an Fahrzeugen – und vor allem können Tiere verletzt werden. Das ist so unnötig.
Einfach einsammeln. Mitnehmen. Fertig.

Und jetzt heißt es: auf in die neue Storchensaison.
Ich – wir – wären bereit für euch, liebe Adebare.
Kommet zuhauf. 🕊️

Chatthema Winterstörche

Chatthema Winterstörche

Tagebuch: Gedanken zum Winter – Warum bleiben Störche manchmal da?

In letzter Zeit höre ich öfter: „Es wäre doch schön, wenn unsere Jungstörche einfach bleiben würden – dann hätten wir länger etwas von ihnen!“ Ja, klingt niedlich … aber mal ehrlich: So richtig ernst gemeint ist das ja selten. Trotzdem hat mich das Thema tatsächlich beschäftigt, und ich dachte: Klar, ich fasse allen, die sich dafür interessieren, kurz und bündig die Fakten zusammen. Denn — ganz ehrlich — auch wenn es im Schnee wunderschön aussieht: Es ist eben nicht ihr instinktives Verhalten. (Am Ende das Video aus Prien vom 6.12.2024)

Störche sind eigentlich Zugvögel – seit Jahrhunderten ziehen sie im Herbst Richtung Süden nach Afrika. Doch heute bleiben immer mehr von ihnen in Deutschland über den Winter. Warum?

  • Klimawandel – mildere Winter: Die Temperaturen sinken seltener unter den Gefrierpunkt, Schnee und Eis halten sich kaum noch länger. Dadurch finden selbst im Winter noch Mäuse, Würmer und Fische – zumindest in vielen Regionen Naturschutzbund Deutschland e.V..
  • Nahrungsversorgung durch Menschen: Viele Störche nutzen ganzjährig zugängliche Nahrungsquellen wie Mülldeponien—vor allem in Spanien, Portugal und auch hierzulande. Dort finden sie Bioabfälle, Fleischreste usw. – und ersparen sich den weiten Zug
  • Energie sparen – mehr Überlebenschancen: Studien mit GPS-getrackten Jungstörchen zeigen, dass diejenigen, die auf Müllkippen überwintern, deutlich weniger Energie verbrauchen und daher höhere Überlebensraten haben als jene, die bis Afrika ziehen ScinexxT
  • Naturschutz und Bestandserholung: In Deutschland wächst der Weißstorchbestand – ein Teil des Erfolgs liegt im veränderten Zugverhalten: Viele bleiben näher oder gar im eigenen Land
  • Unnatürlich, aber pragmatisch: Was natürlicher Instinkt war, wird durch menschgemachte Veränderungen ergänzt – und die Störche passen sich an. Doch die Risiken bleiben: falsche Nahrung, Krankheit, Verletzungen – alles nicht ohne Folgen

Und weiter im Tagebuch…

Das Thema Klimawandel und die Verbindung zum Zugverhalten habe ich in diversen Magazinen und wissenschaftlicher Literatur nachgelesen. Alles haarklein aufzuschlüsseln würde hier den Rahmen sprengen – aber letztlich schließt sich der Kreis: All diese Probleme sind vom Menschen gemacht. Nicht die Tiere roden ihre eigene Welt. Wir sind es. Nicht die Tiere werfen leere Plastikverpackungen in Boden, Meer oder sonstwohin. Selbst die Krähen, die sich so am Müll bedienen, tun das nur, weil sie Zugang dazu haben. Wir sind es.

Und bevor jetzt wieder die Politik auf die Bühne geholt wird – die hat hier auf meiner Website keine Bühne. Ich fahre kein E-Auto, finde Pappstrohhame für Kinder in der Caprisonne doof, die angehefteten Deckel thematisier ich nicht weite 😉 Ihr wisst was ich meine. Ich muss mich ja nicht selbst auf die Straße kleben, um sinnvoll zu leben. Ich würde mich als jemand mit gesunden Einstellungen bezeichnen: Ich trenne Müll, bringe ihn zu den richtigen Stellen, kaufe Obst regional und klassisch ohne Plastik, kurzum ich achte seit längerem schon darauf, etwas umsichtiger zu sein. Exzentriker gibt es überall, aber gesunder Menschenverstand reicht völlig.

Deutschland ist auf einem guten Weg – wäre da nicht die extreme Verschwendung anderswo: Pfand wird missverstanden, geschälte Eier in Frischhaltefolie … Kekse einzeln in Folie? Da fehlt mir jegliche Logik.

Und siehe da: Der Storch wird bequem. In einem Nest hat man einmal Abends Bockwurst (!) serviert. Und nicht nur einmal – sie gewöhnen sich dran.

Man kann nur hoffen, dass sich die Zeiten ändern. Ich selbst werd’s vielleicht nicht mehr erleben. Aber wir können Weichen stellen – und andere dazu inspirieren. Irgendwann ist es zu spät.

Ich seh lieber Störche im Affenbrotbaum bei Sonnenuntergang als einen rotbeinigen Gesellen im weißen Schnee, der verzweifelt nach Nahrung sucht … und zur Müllkippe geht. Ich hoffe Pitti und Platsch sitzen da, eines Abends, im Affebrotbaum. Und träumen ein bisschen von Kolbermoor und seinen schönen Wiesen. Wachen morgens auf und vermissen die Hühner – nur ein bisschen. Und hoffentlich fliegen sie irgendwann dann wieder rüber. In die Wiesen, egal wo.

In diesem Sinne – kommt gut in die Woche morgen und lasst und abwarten, wie lange uns Kaira & Alex noch a bissl besuchen, bevor auch sie weg sind.


Cindy

Alexander ist wieder da

Alexander ist wieder da

Kaum zu fassen, oder?
Alexander war zuletzt am 9. August auf dem Nest gesehen worden. Am fünften Tag seiner Abwesenheit hatten die meisten von uns innerlich schon damit abgeschlossen – sicher, er war wohl noch sehr jung, aber das „Zugjucken“ im Schnabel hatte ihn wohl doch gen Süden getrieben – so dachten wir.

Da isser ja wieder

Und dann, wie aus dem Nichts, landete er am 18. August – ganz selbstverständlich – kurz nach Kaira wieder auf dem Nest. Ein lang anhaltendes, kräftiges Klapperkonzert ertönte. Fremdstörche mussten abgewiesen werden, schließlich gehört das Nest ja doch noch immer ihm und Kaira. Vielleicht hatten die beiden sich aber auch einfach unglaublich viel zu erzählen.

Natürlich konnte Alexander es nicht lassen: Die Unordnung im Horst fiel ihm sofort auf und er fing gleich an, herumzuwerkeln. Als dann die beiden Jungspunde zum Mittagessen einfielen – wie ausgehungerte Löwen (als ob es in den Wiesen nicht genug gäbe!) – schien er kurz erschrocken festzustellen:
„Oh, hoppla – so ein Mist, ich habe ja zwei Nachkommen!“
Und zack, weg war er wieder.

Kurzzeitig mal alle 4 im Nest

Doch er kam zurück. Später am Tag, und sogar heute Morgen, am 19. August, erschien er gemeinsam mit Kaira im Nest. Wie lange er wohl noch bleiben wird? Keiner weiß es – also erfreuen wir uns einfach an diesen schönen und besonderen Momenten.

Mit großen Schritten geht es, ob wir wollen oder nicht, in die Zugphase. Unsere beiden Jungstörche verbringen immer mehr Zeit fernab des Nestes, und auch das Betteln in den Wiesen wird weniger – selbst wenn sie genau wissen, dass Kaira oben bereitsteht.

Kaira kann nun endlich etwas durchatmen und Kraft tanken. Das tut ihr gut – und uns, beim Zuschauen, ebenso. Sie hat Großartiges geleistet. Und auch Alexander hat, mit dem, was er an Erfahrung bereits einbringen konnte, einen wertvollen Beitrag geleistet.

Ein bisschen Nistmaterial

Ich bin gespannt, was uns die letzten Tage dieser ersten, unglaublich tollen Saison noch bringen werden – und natürlich, was uns 2026 erwartet.

Bis dahin: genießen wir gemeinsam diese besonderen Augenblicke.

Kaira geniest die Ruhe und sammelt Energie

Eure
Cindy

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